Home Musik "Live Nature" - Bob und die Welt zugast in Bonn
"Live Nature" - Bob und die Welt zugast in Bonn PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Ben Fischer   
Mittwoch, 28. Mai 2008 um 00:28 Uhr
Live Nature Poster (Bild: BMU)Unter dem Titel "Live Nature" erlebten die Teilnehmer der 9. UN-Konferenz zum Schutz der biologischen Vielfalt, die vom 19. bis 30. Mai 2008 in Bonn stattfindet, ein buntes Live-Konzert. Von allen fünf Kontinenten trat je eine – mehr oder weniger bekannte – Gruppe auf dem Bonner Museumsplatz auf. Star des Abends war aus europäischer Sicht ein ganz in weiß gekleideter Sir Bob Geldorf. Doch auch die anderen Interpreten sorgten mit ihren Auftritten für ausgelassene Stimmung und neben der biologischen auch für kulturelle Vielfalt. Überhaupt war "Vielfalt" (engl. Divergence) das Wort des Abends.

Live Nature (Bild: Benanza Pix)"Kulturelle und biologische Vielfalt haben die gleichen Wurzeln und bedingen einander. Deswegen haben wir Musikerinnen und Musiker aus fünf Kontinenten gebeten, hier aufzutreten“, sagte Bundesumweltminister Sigmar Gabriel in seinen Eröffnungsworten. Neben Gabriel waren auch die Bonner Oberbürgermeisterin Bärbel Dieckmann und der Exekutiv-Sekretär der Konvention über die biologische Vielfalt, Ahmed Djoghlaf, zur Eröffnung des Konzerts gekommen, das dank einer weiteren Vielfalt, der gesponserten kulinarischen Vielfalt, insgesamt einen Flair von Stehempfang vermittelte.

Live Nature (Bild: Benanza Pix)Gleichwohl war die Stimmung der geladenen UN-Delegierten vor der Bühne ausgelassen und steigerte sich mit jedem Musikakt zunehmend. Schon die ersten Interpreten – GOCOO + GoRo, eine gefühltes Dutzend japanischer Taiko-Trommler – vermittelten eine guten Eindruck von kultureller Vielfalt. Scheinbar wie von Sinnen droschen die Künstler auf ihre traditionellen Taiko-Instrumente und sorgten damit für einen treibenden Klangteppich, der sich als idealer Wachmacher entpuppte.

Live Nature (Bild: Benanza Pix)Auch der folgende Auftritt von Moana and the Tribe aus Neuseeland war einzigartig. Moana Maniapoto, eine gutaussehende dunkelhaarige Sängerin, bestach sofort mit ihrer tollen Stimme, die perfekt zu dem dargebotenen Mix aus Reggae, Soul und Worldmusic passte. Ihre adrett ins Haupthaar drapierten Federn konnten in Sachen kultureller Vielfalt jedoch nicht mit dem Auftritt ihrer Background-Tänzer mithalten – drei muskelbepackten, halbnackten Māori-Kriegern, die im Takt der Musik den martialischen Kriegstanz Haka vorführten. Spätestens seit diesem Highlight sollte jedem klar sein, dass eine weit aus dem Mund gestreckte Zunge in Neuseeland mehr als nur ein Scherz frecher Jungs oder genialer Physiker ist.

Live Nature (Bild: Benanza Pix)Bevor nun besagter Sir Bob Geldorf die Bühne rocken konnte, versuchte der südafrikanische Star-Trompeter Hugh Masekela in der Menge afrikanische Leidenschaft zu wecken. Dabei machte ihm und seiner Band allerdings immer wieder die gestörte Bühnentechnik zu schaffen, die den guten Mann am Ende sichtlich entnervt von der Bühne stapfen ließ.

Live Nature (Bild: Benanza Pix)Und dann kam Bob: zum Auftakt gab es gleich einen irischen Folk-Klassiker der direkt ins Bein ging. Ganz in weiß stand er da, seine Augen meist hinter den mittlerweile ergrauten, tief ins Gesicht fallenden Haaren verborgen. Und er rockte die Menge. Wer bei Akustikgitarren an Lagerfeuer und Jugendfreizeit denkt, sollte sich Sir Bob anschauen. Cooler kann die dicke Klampfe nur "El Mariachi" im Film bedienen. An Bobs Seite stand ein kultiger Streicher. Äußerlich der absolute Anti-Geiger, der das virtuose Instrument mit Kippe in der Hand und weißem Netzhemd über dem kräftigen Bauch strich – legendär! Und den alten Boomtown Rats-Klassiker „I don’t like Mondays“ gab es noch gratis dazu. Wer sollte jetzt noch kommen, um das zu toppen?

Live Nature (Bild: Benanza Pix)Daniela Mercury –  ein Latino-Star wie aus dem Bilderbuch, ebenfalls ganz in weiß gekleidet, aber mit deutlich weniger Stoff auf der Haut. Laut Wikipedia soll die rassige Brasilianerin weltweit schon rund elf Millionen Platten verkauft haben, was sie zu Brasiliens erfolgreichster Sängerin macht. Und tatsächlich: Frau Mercury kam, wirbelte und siegte. Verstärkt durch leckere Tänzerinnen und Tänzer, eine gute Live-Band und einen standesgemäßen Hüftschwung wickelte sie die Delegierten locker um den Finger. Der eingängliche Latino-Sound und die wirklich gute Stimme taten das Übrige. Und so war es nur verständlich, dass Daniela Mercury am Ende selbst Sir Bob etwas vergessen ließ und sich minutenlange Ovationen des begeisterten Publikums abholte.

Live Nature (Bild: Benanza Pix)Das Fazit: Musikalisch konnten alle Interpreten mit ihrer Darbietung voll überzeugen, ja in Teilen sogar den an diesem Abend so oft beschworenen kulturellen Horizont der Zuschauer tatsächlich erweitern. Energische Taiko-Trommler, tanzende Māori-Krieger und rauchende Geiger sieht man nicht alle Tage, schon gar nicht auf der selben Bühne. Und Vielfalt hin, Vielfalt her, eines gilt für alle aufgetretenen Künstler gleichermaßen: sie sind richtig gute Musiker.

Stichwort: UN-Naturschutzkonferenz
Die UN-Naturschutzkonferenz ist das politische Gremium zum "Übereinkommen über die biologische Vielfalt". Dieses Abkommen ist 1992 beim Erdgipfel in Rio de Janeiro geschlossen worden. 189 Staaten und die Europäische Union (EU) haben es unterzeichnet. Grundlage des Übereinkommens ist die Erkenntnis, dass der Schutz der biologischen Vielfalt ein Anliegen der gesamten Menschheit ist.
Die neunte UN-Naturschutzkonferenz ist das letzte Treffen der Vertragsstaaten vor einem entscheidenden Datum: Bis 2010 will die Weltgemeinschaft den Verlust der biologischen Vielfalt entscheidend begrenzen. So haben es die Staats- und Regierungschefs beschlossen, die 2002 zum Weltgipfel für nachhaltige Entwicklung nach Johannesburg gereist waren.
(Quelle: Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit)
Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, 09. Juli 2008 um 20:52 Uhr
 

Kommentar hinzufügen

Dein Name:
Betreff:
Kommentar:
 

Anmeldung



Wer ist online

Wir haben 75 Gäste online

Übersetzung