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Kölner Legenden: Bürgermeister Gryns Löwenkampf PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Rainald Benzler   
Mittwoch, 08. Juni 2005 um 00:35 Uhr
Kölner Stadtwappen (Foto: Rainald Benzler)Die dritte Folge der losen Reihe beschäftigt sich mit der Sage über Bürgermeister Gryns Kampf gegen einen Löwen. Geschichtlicher Hintergrund ist das Verhältnis zwischen Stadt und Kirche im 12. Jahrhundert. Die Chemie stimmte nicht. Es kam immer wieder zu Kompetenzstreitigkeiten. Auf der einen Seite stand die Bürgerschaft, vertreten von ihren Organen Rat, Richterzeche und Schöffenkolleg, auf der anderen Seite die erzbischöflichen Amtleute. Bewaffnete Auseinandersetzungen zwischen beiden Lagern standen auf der Tagesordnung.

Der Legende nach (laut Überlieferung datiert sie von 1262) hegten zwei Domherren des damals amtierenden Erzbischofs Engelbert von Falkenburg einen solchen Groll gegen Bürgermeister Hermann Gryn, der sich beharrlich der erzbischöflichen Willkür widersetzte, dass sie eine ziemlich unchristliche Intrige spannen. Die beiden hielten sich nämlich als Haustier einen Löwen, den sie in einem Käfig im Hof des Domherrenhauses gefangen hielten.

Die beiden Kirchenmänner luden eines Tages den Bürgermeister zum Frühstück ein. Man saß gerade zusammen, als der Löwe aus dem Zwinger zu brüllen begann. Gryn merkte dazu an: "Mir scheint, er hat Hunger". Die Domherren gaben zu Protokoll: "Die Bestie weiß, dass sie zur Stunde gesättigt wird." Der Bürgermeister wollte sich dieses exotische Schauspiel nicht entgehen lassen, daher ließ er sich ob seiner Neugierde von den beiden Domherren bereitwillig zum Käfig führen. Nun sahen die "Pfaffen" den Moment gekommen, sich endgültig des lästigen Bürgermeisters dauerhaft zu entledigen: sie stießen den verdutzten Mann in den "Löwenhof", wo das hungrige Tier wartete. Jedoch rechneten sie nicht mit dem Mut des Bürgermeisters, der entschlossen den Kampf aufnahm. Die Linke mit dem geschwind darum gewundenen Mantel wuchtete er in den Rachen des Löwen, mit der Rechten stieß er ein Schwert, das er mit sich geführt hatte, in das Herz des Löwen.

Die Rache des Bürgermeisters war bitter: er ließ die beiden Domherren am Nordtor aufhängen. Noch Jahrhunderte später konnte man an der so genannten "Pfaffenpforte" (heute befindet sich an diesem Ort die Touristeninformation) den Balken mit den zwei Löchern für die Stricke als mahnendes Beispiel für den Klerus bestaunen.

Das zentrale Relief an der Laube über dem heutigen Rathauseingang zeigt die dramatische Szene des legendären Löwenkampfes. Der Kampf Gryns ist eingerahmt von zwei weiteren Reliefs, die die biblischen Löwenbezwinger Daniel und Samson zeigen. Diese Einordnung ist wie die Legende unübersehbarer Ausdruck kölschen Selbstbewusstseins.
Zuletzt aktualisiert am Sonntag, 25. Mai 2008 um 00:44 Uhr
 

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