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Kölner Legenden: Die Heilige Ursula PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Rainald Benzler   
Donnerstag, 19. Februar 2004 um 00:25 Uhr
Kölner Stadtwappen (Foto: Rainald Benzler)Nachdem in der ersten Folge die Bedeutung der drei Kronen im Kölner Stadtwappen erläutert wurde, sollen heute die elf Tränen im unteren Wappenteil näher beleuchtet werden. Diese elf Tränen weisen nämlich auf die Legende um die Kölner Stadtpatronin Ursula hin, die ab dem 9. Jahrhundert einen überaus populären Kult erfuhr. Vorweggenommen sei der Hinweis, dass es - was Legenden von Natur aus mit sich bringen - verschiedenste Versionen gibt, von denen keine den Anspruch auf die "wahre Lehre" erheben kann.

Ursula war eine englische Königstochter im 3. Jahrhundert nach Christus, die sich zahlreicher männlicher Werber ausgesetzt sah. Aspiranten wie die Prinzen Waldemar aus Dänemark und Adelbert aus Holland hatte sie verschmäht. Nur gegenüber mit dem Heidenkönig Aeterius schien Ursula, obgleich sie Christin war und ewige Jungfräulichkeit geschworen hatte, zu einer Eheschließung bereit, erbat sich aber eine dreijährige Bedenkzeit. Während dieser Zeit machte sich Ursula mit 11.000 weiteren jungfräulichen Gefährtinnen (oder 1100 oder gar nur elf plus jeweils 1000 Begleiterinnen?) auf zu einer längeren Segeltour. Die Themse führte sie auf das offene Meer, wo sie vor der holländischen Küste in einen mächtigen Sturm gerieten. Glücklicherweise retteten sie sich mit ihren Schiffen in die Rheinmündung und gelangten so rheinaufwärts nach Köln.

Dort erhielt sie von einem Engel die Weisung, eine Wallfahrt nach Rom zu unternehmen. Dem kam Ursula nach und setzte ihre Reise zunächst auf dem Rhein fort. Ab Basel pilgerte die gesamte Reisegruppe dann zu Fuß über die Alpen nach Rom, wo es auch zu einer Begegnung mit dem Papst kam. Anschließend machte man sich wieder auf den Rückweg. Ihr Quasiverlobte Aeterius hatte zwischenzeitlich von dem Unwetter gehört und sich sogleich aus Sorge selbst auf dem Weg gemacht, um sich nach dem Schicksal seiner Angebeteten zu erkundigen. In Holland erfuhr er dann, dass Ursula unversehrt geblieben war und den Segeltörn auf dem Rhein fortgesetzt habe. So reiste Aeterius ihr nach.

In Mainz trafen sich dann die beiden, und Aetrerius ließ sich taufen und bekannte sich fortan zum Christentum. Damit konnten sie noch in Mainz den heiligen Bund der Ehe schließen. Gemeinsam setzten sie ihren Rückweg gen England fort. Doch als sie wieder in Köln vorbei schipperten, wurden die Stadt gerade von den Hunnen belagert, die, von Gallien kommend, gerade auf dem Rückzug nach dem Osten waren. Alle Jungfrauen (sowie Auterius) wurden ermodert, lediglich Ursula blieb verschont, da der Hunnenfürst ob ihrer Schönheit anderes mit ihr vorhatte. Da sie sich jedoch beharrlich verweigerte, wurde sie durch einen Pfeilschuss getötet. In diesem Moment erschienen 11.000 Engel vom Himmel und jagten die Hunnen in die Flucht. Aus Dankbarkeit der nunmehr befreiten Stadt begruben Einwohner Kölns die Jungfrauen und erbauten an der Todesstätte Ursulas eine Kirche.

In einer anderen Version der Legende soll der neue römische Statthalter Ursula und ihr Gefolge dazu aufgefordert haben, den römischen Göttern Opfergaben beizubringen. Als fromme Christen blieben Ursula, Auterius und ihre Freundinnen aber standhaft, worauf sie ebenfalls umgebracht wurden. Heute erinnert insbesondere die Ursulakirche an die Stadtpatronin. Auf ihr befindet sich eine Nachahmung der englischen Königskrone, die auf Ursulas Herkunft hinweist. Die "Goldene Kammer" in St. Ursula enthält Reliquienbüsten und zu Bildern komponierten Knochen, ist also nichts für zarte Gemüter.

Zu den bekanntesten Bildern der Heiligen gehört der linke Flügel von Stefan Lochners Bild im Kölner Dom (ca. 1440 - 1445 entstanden). Die elf Tränen im Stadtwappen sind nach einer Deutungsart als Hermelinschwänze gestaltet, da Ursula auch in einigen Spielarten der Legende als bretonische Prinzessin gilt und das Wappen der Bretagne aus Hermelinfell bestand (die Bretagne war teilweise von den Briten besetzt gewesen).
Zuletzt aktualisiert am Sonntag, 25. Mai 2008 um 00:45 Uhr
 

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