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Intelligente Amerikaner - Die USA nach der Präsidentenwahl PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Bernd Knieling   
Dienstag, 16. November 2004 um 23:58 Uhr
KOMMENTAR - Ja, es gibt sie, intelligente US-Amerikaner, die bewusst Entscheidungen jenseits der Reihenfolge der in Disneyland zu besuchenden Attraktionen treffen. Es gibt sie sogar in Amerika, und sie sind auch zur Wahl gegangen! Auch wenn das in Europa niemand glauben mag. Die hiesige Presse zeigt sich nach der Wiederwahl von US-Präsident George W. Bush mit Schlagzeilen von "Augen zu und durch" (Der Spiegel) bis "Oops, they did it again" (taz) im Glauben, dass intelligentes Leben jenseits des Atlantiks existiert, schwer erschüttert. Angesichts der in Europa vorherrschenden, Bush-kritischen Haltung ist es tatsächlich schwer, die Motive der Amerikanerinnen und Amerikaner nachzuvollziehen, die eine zweite Amtszeit möglich machten.

Zunächst in aller Kürze die Fakten: George W. Bush hat einen dem Völkerrecht widersprechenden Krieg angezettelt und sein (Wahl-)Volk sowie die Weltgemeinschaft über die tatsächlichen Gründe für den Kriegsausbruch offen belogen. Darüber hinaus hat er etliche Milliarden unter dem Deckmäntelchen des Schutzes vor Terror für teils sehr fragwürdige Maßnahmen versenkt und so zusammen mit den Kriegskosten ein gewaltiges Loch in den Staatshaushalt gerissen. Und zu guter Letzt hat er den Tod der vielen Terroropfer und das Leid der Angehörigen für seine (politischen) Zwecke missbraucht.

Trotzdem darf George W. Bush weitere vier Jahre mietfrei im Weißen Haus residieren und mit dem Hubschrauber am Wochenende für lau zum Golfspielen fliegen. Und im Gegensatz zur ersten Wahl hat der Texaner diesmal sogar die Mehrheit der Wählerinnen und Wähler hinter sich. Was sind die Gründe? War der politische Gegner, Senator J.F.Kerry, zu schwach? Die Absurdität dieses Gedankens unterstreichen allein schon dessen Initialen. Hat das amerikanische Volk keine Kenntnis von den o.a. Fakten gehabt? Schwer zu glauben angesichts des medialen Spektakels, das die Wahlen begleitete. Hat es die Fakten ignoriert? Nun, das ist im Grunde schon eher denkbar, schließlich ist es ein weltweit verbreitetes Phänomen, wider besseres Wissen zu handeln. Aber als einziger Grund reicht das kaum für die Wiederwahl aus. Hat Bush mehr Charisma? Okay, war nur ein Scherz.

Nein, es gibt genau zwei Gründe, weshalb Bush wiedergewählt wurde, Gründe, welche die bornierte Restwelt nicht begreift, obwohl sie auf der Hand liegen. Der erste Grund liegt in der Person Bushs. Die Amerikanerinnen und Amerikaner halten ihn inzwischen für einen dummen, selbstgerechten, kriegsgeilen und mit goldenen Löffeln gefütterten Versager. Weshalb sie sich gesagt haben, dass er den ganzen Schlamassel, den er angerichtet hat, bitte schön selbst auslöffeln soll. Der zweite Grund ist die gewollte Öffnung zur muslimischen Welt hin und weg von der polarisierenden egozentrischen amerikanischen Sichtweise der Vergangenheit. Und wie will man diesen Schritt besser dokumentieren als durch die Geste, selbst auch einen religiösen Fundamentalisten an die Macht zu hieven?

Also, haben es die Amerikaner drauf oder nicht?
Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, 22. Mai 2008 um 00:02 Uhr
 

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