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Benanza Bücherbord - Wie, nicht Was! PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Bernd Knieling   
Sonntag, 07. Mai 2006 um 22:35 Uhr
Bücherbord (Foto: Benanza Pix)Es kommt bei guten Romanen weniger darauf an, ob eine neue Geschichte erzählt wird, sondern vielmehr ob eine Geschichte neu erzählt wird. Denn gerade im Krimigenre ist bei der Fülle der Veröffentlichungen seit - sagen wir - Hammett und Chandler im Hinblick auf Handlung das Pulver schon lange nicht mehr neu erfunden worden.

Insofern bietet auch Der Herr des Regens von TOM BRADBY auf den ersten Blick nichts Neues. Der junge Polizist Richard Field kommt 1926 nach Shanghai und ist von dem Leben in der Stadt zunächst überfordert. Schnell merkt er, dass die Regeln, nach denen er es in England gewohnt war zu leben, in Shanghai keine Gültigkeit haben. Gemeinsam mit einem amerikanischen Kollegen soll er einen Mord an einer jungen Russin aufklären, doch die Ermittlungen gestalten sich sehr schwierig, nicht zuletzt, weil Field die Spielregeln noch nicht kennt. Dabei verliebt er sich zudem in die falsche Frau.

Aber BRADBY gelingt es außerordentlich gut, eine Atmosphäre zu schaffen, bei der alles ineinander passt. Er lässt Charaktere handeln, die vielschichtig und auf ihre Weise authentisch sind, egal ob es sich dabei um Chinesen handelt, die zwischen ihren alten Werten und der durch die Kolonialmächte aufgesetzten neuen Ordnung mühsam einen Weg für sich finden müssen, ob reiche und gelangweilte Briten fern der Heimat ihr Empire hochleben lassen oder aber Gestrandete aus aller Welt, die in Shanghai hängen geblieben sind und sich mühsam ihre Existenz erkämpfen. Sehr lesenswert. (Heyne, TB, € 8,95).

Einen ganz anderen Weg beschreitet MICHAEL MARSHALL mit seinem Thriller Der zweite Schöpfer. In der amerikanischen Gegenwart angesiedelt, erzählt Marshall zunächst zwei Handlungsstränge parallel, und das durchaus konsequent. Der eine Handlungsstrang wird in der ersten Person von Ward Hopkins erzählt, einem ehemaligen CIA-Agenten, der kurz nach der Beerdigung seiner bei einem Verkehrsunfall verunglückten Eltern auf eine mysteriöse Nachricht von ihnen stößt, die lautet: "Wir sind nicht tot." Im zweiten Handlungsstrang wird in der dritten Person von den FBI-Ermittlern Bayram und Zandt berichtet, die auf der Jagd nach dem Entführer und Mörder mehrerer Mädchen im Teenageralter sind.

Beide Handlungen münden schließlich ineinander, weil sowohl hinter dem Verkehrsunfall als auch den Entführungen möglicherweise die gleichen Person(en) stecken könnten, die mysteriösen Straw Men. MARSHALL erzählt das alles auf hohem Niveau, hoch spannend und in den allzu grausigen Situationen auch mit der nötigen Distanz. Das Ende ist trotz eines wirklich guten Finishs offen, was aber bereits nach hundertfünfzig Seiten zu ahnen ist und das Lesevergnügen keineswegs schmälert. Zu groß ist die Verschwörung, die die Straw Men planen, als dass sie nebst allem anderen auf rund 400 Seiten passen würde. Bislang sind im Original zwei Fortsetzungen erschienen, die hoffentlich auch bald ins Deutsche übersetzt werden. Leseempfehlung! (Droemer HC, € 16,90).
Zuletzt aktualisiert am Dienstag, 20. Mai 2008 um 23:25 Uhr
 

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