Home Zeitgeschehen Stichtag: 20. Juli 1944 - Attentat auf Adolf Hitler
Stichtag: 20. Juli 1944 - Attentat auf Adolf Hitler PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Benanza Online   
Montag, 20. Juli 2009 um 16:15 Uhr
Hitler und Mussolini am Ort des Attentats (Bild: Deutsches Bundesarchiv, Bild 146-1970-097-76Heute vor 65 Jahren versuchte eine Gruppe von Verschwörern, vornehmlich aus Kreisen des Adels, der Wehrmacht und der Verwaltung, mit einem Attentat auf Adolf Hitler das Regime der Nationalsozialisten zu beenden. Das Attentat vom 20. Juli 1944 im Führerhauptquartier "Wolfsschanze" und der anschließende Versuch eines Staatsstreichs zählen zu den stärksten Widerstandsäußerungen von Deutschen gegen die Hitler-Diktatur. Eine der zentralen Figuren des militärischen Widerstands war Claus Schenk Graf von Stauffenberg. Benanza Online lässt den Tag des Attentats noch einmal Revue passieren.

Ankunft an der Wolfsschanze

Am frühen Donnerstagmorgen des 20. Juli 1944 flog Oberst Graf von Stauffenberg zusammen mit seinem Adjutanten, Oberleutnant von Haeften, von Rangsdorf bei Berlin mit einer von Eduard Wagner zur Verfügung gestellten He 111 in das Führerhauptquartier Wolfsschanze bei Rastenburg (Ostpreußen). Haeften führte in einer Aktentasche zwei von Oberst Wessel Freiherr von Freytag-Loringhoven beschaffte englische Ein-Kilogramm-Plastiksprengstoffladungen mit lautlosen chemischen Bleistiftzündern mit sich.

Stauffenberg erfuhr erst kurz nach seiner Ankunft im Führerhauptquartier, dass die Lagebesprechung um eine halbe Stunde vorverlegt wurde, weil Hitler für den Nachmittag den Besuch Benito Mussolinis erwartete. Das geplante Attentat drohte zu scheitern, da es zunächst keine Gelegenheit zu geben schien, die auf etwa zehn Minuten programmierten Zeitzünder an den Sprengsätzen zu aktivieren. Vor der Erstattung seines Berichtes an Hitler gab Stauffenberg vor, an diesem heißen Sommertag sein Hemd wechseln zu müssen. Da er als Einhändiger dazu Hilfe brauchte, konnte er gemeinsam mit Haeften die Sprengladungen in einem Nebenraum vorbereiten. Nach der Zerstörung der Säurekapseln an den chemischen Zündern blieben nur noch zehn Minuten bis zur Explosion. Weil Stauffenberg vom hereinkommenden Oberfeldwebel Werner Vogel gestört wurde, der ihn zur Eile antrieb, konnte er nur die erste Ein-Kilogramm-Bombe statt der geplanten zwei Bomben schärfen.

Danach unterlief dem Berufsoffizier, der offenbar nur begrenzte Kenntnisse von Sprengstoffen hatte, möglicherweise wegen der großen Nervenanspannung ein folgenschwerer Fehler. Statt auch das zweite Paket ohne Zünder zusammen mit dem scharfen Sprengstoffpaket in seiner Aktentasche unterzubringen, deponierte Stauffenberg nur das eine geschärfte Kilogramm Sprengstoff in seiner Tasche. Die andere Bombe übergab er von Haeften, der keinen Zutritt zum Besprechungsraum hatte. Die Explosion des scharfen Paketes hätte nach dem Urteil von Experten auch das Paket ohne Zünder explodieren lassen, was unzweifelhaft zum Tode aller Anwesenden in der Lagebaracke geführt hätte.

Platzieren der tickenden Bombe

Stauffenberg deponierte seine Aktentasche mit der Bombe unweit von Hitler unter dem Besprechungstisch und verließ nach wenigen Minuten den Raum unter dem Vorwand eines wichtigen Anrufes aus Berlin. Um 12:42 Uhr detonierte die Bombe. Vier Personen wurden schwer verletzt und erlagen kurz darauf ihren Verletzungen. Fast alle anderen 20 Anwesenden wurden verletzt. Hitler selbst erlitt jedoch nur leichte Verletzungen (Prellungen, Schürfwunden sowie Blutergüsse).

Zerstörte Lagerbaracke nach dem Anschlag (Bild: Deutsches Bundesarchiv, Bild 146-1972-025-12)Wie der spätere General der Bundeswehr Heusinger berichtet, trug er Hitler gerade zur Lage im Norden der Sowjetunion vor; deshalb lagen beide Männer fast, weit über die riesige Karte gebeugt, auf der dicken Tischplatte, als es zur Detonation kam. Vor allem deshalb war Hitler vor der Bombenexplosion einigermaßen geschützt. Hinzu kam, dass ein Konferenzteilnehmer die zunächst nahe bei Hitler auf dem Fußboden stehende Aktentasche etwas weiter weg, hinter die massive Abstützung des Konferenztisches gerückt hatte, um selbst besser an den Tisch heranzukommen. Die massive Eichen-Tischplatte fing die Wucht der Detonation großteils auf und schirmte Hitler von der direkten Wirkung ab. Außerdem verpuffte die Druckwelle der Explosion wegen der mangelhaften Verdämmungswirkung der Besprechungsbaracke. Ein großer Teil der Explosionsenergie konnte durch die wegen der Sommerhitze weit geöffneten Fenster entweichen. Hitler gewann nach dem gescheiterten Attentat neue Zuversicht. Er betrachtete es als ein Zeichen der "Vorsehung", dass er den Angriff überlebt hatte.

Flucht Stauffenbergs und Haeftens

Stauffenberg und sein Adjutant Haeften konnten aus der sich in höchstem Alarmzustand befindlichen Wolfsschanze entkommen. An einer ersten Sperre ließ sie der Wachhabende passieren, am zweiten Kontrollpunkt wurde ihnen die Weiterfahrt jedoch unter Hinweis auf die aktuelle Lage zunächst verwehrt. In einem Telefonat konnte Stauffenberg einen ihm bekannten Offizier dazu bewegen, dem diensthabenden Wachposten die Öffnung der Schranke zu befehlen. Während der Fahrt zum Flugplatz warf Haeften die nicht aktivierte Bombe aus dem offenen Wagen. Auf dem Rollfeld erwartete Stauffenberg die für diesen Tag für ihn persönlich abgestellte He 111. Er flog mit Haeften in der festen Überzeugung nach Berlin, dass Hitler tot sei.

Operation "Walküre"

In Berlin sollten unter dem Codewort "Walküre" alle Gestapo-, Partei- und SS-Dienststellen von der Wehrmacht besetzt werden. Es war jedoch nur halbherzig vorgegangen worden. Verunsichert durch erste Meldungen, der "Führer" sei am Leben, führten die auf Verschwörerseite stehenden Truppenführer vielfach die Befehle nicht aus, wodurch wertvolle Zeit ungenutzt verstrich. Die geplante Besetzung des Reichsfunks fand nicht statt. Der Walküre-Plan war ein offizieller, aber durch von Tresckow und Stauffenberg für die Bedürfnisse des Staatsstreichs angepasster Plan für den Fall innerer Unruhen. Lediglich in Paris unter General von Stülpnagel und ansatzweise in Wien gelang es, die manipulierten Befehle der Operation Walküre umzusetzen. In groß angelegten Aktionen wurden in diesen beiden Städten Mitglieder der SS verhaftet. Erst als das Scheitern des Anschlags offenbar wurde, gewannen die Hitler treuen Kräfte wieder die Oberhand.

Stauffenberg musste am Nachmittag bei seiner Ankunft Uhr im Berliner Bendlerblock, dem Oberkommando des Heeres und der Verschwörer-Zentrale, feststellen, dass außer der Alarmierung der Truppen des Ersatzheeres, das die militärische und vollziehende Gewalt in Deutschland übernehmen sollte, nichts unternommen worden war. Es fehlten eindeutige Nachrichten über den Erfolg des Attentates auf Hitler. Erst nach Stauffenbergs Ankunft im Bendlerblock gingen Befehle für den Staatsstreich hinaus – zu spät für ein Gelingen der Aktion; die erteilten Befehle wurden umgehend von der Wolfsschanze aus widerrufen. Damit scheiterten die Abriegelung des Berliner Regierungsviertels in der Wilhelmstraße, die Ausschaltung des Rundfunks in Berlin-Charlottenburg, die Verhaftung der SS-Führung und die Besetzung der Gestapozentrale in der Prinz-Albrecht-Straße.

Major Remer stürmt den Bendlerblock

Gegen 18 Uhr überzeugte sich der als fanatischer Nationalsozialist geltende Kommandeur des Wachbataillons "Großdeutschland", Major Otto Ernst Remer, der das Regierungsviertel absichern und Goebbels festnehmen sollte, durch ein von Goebbels vermitteltes Telefongespräch mit Hitler von dessen Überleben ("Major Remer, erkennen Sie meine Stimme?"). Er erhielt von diesem das Kommando über die gesamte Hauptstadt. Die Gegenkräfte des Putsches gewannen allmählich die Kontrolle.

Gegen 23 Uhr wurden der Bendlerblock gestürmt und die meisten der dortigen Verschwörer nach einem Schusswechsel festgesetzt. Nur Stauffenbergs zweiter Adjutant, Hauptmann Klausing, und einige jüngere Offiziere (von Hammerstein, von Oppen, von Kleist) konnten aus dem Gebäude entkommen.

In Paris und Wien gelang es den Verschwörern, die dortigen SS-Einheiten unter Kontrolle zu bringen und die Oberhand zu gewinnen. Diese Tatsache konnte später von den örtlichen Verantwortlichen vertuscht werden. Die SS hatte sich viel zu leicht und vor allem kampflos entwaffnen und inhaftieren lassen.

Hinrichtungen im Bendlerblock

Schon wenige Minuten nach Mitternacht wurden Stauffenberg, Haeften, der General der Infanterie Friedrich Olbricht und Oberst Albrecht Mertz von Quirnheim im Hof des Bendlerblocks einzeln von Soldaten vor einen Sandhaufen geführt und im Scheinwerferlicht eines Lastwagens erschossen. Dem Generaloberst a.D. Ludwig Beck wurde zuvor auf dessen Bitte, die Dienstwaffe "für den eigenen Gebrauch" behalten zu dürfen, die Gelegenheit gegeben, sich selbst zu töten. Da sich Beck beim ersten Versuch nur einen Streifschuss und beim zweiten eine nicht sofort tödliche Kopfverletzung beibrachte, wurde er auf Befehl von Generaloberst Friedrich Fromm durch den Gnadenschuss eines Feldwebels getötet.

Generaloberst Fromm hatte auch die Erschießung der übrigen Verschwörer unter Berufung auf ein angeblich stattgefundenes Standgericht befohlen. Fromm lag daran, seine eigene Verstrickung in die Attentatspläne zu vertuschen. Jedoch wurde er später gleichwohl angeklagt, zum Tode verurteilt und hingerichtet, nachdem eine Liste der geplanten Regierung in seinem Tresor gefunden worden war.

Auf Anordnung Fromms wurden die fünf toten Offiziere zunächst in Uniform mit ihren Orden und Ehrenzeichen auf einem Berliner Friedhof begraben. Am nächsten Tag ließ Heinrich Himmler die Leichen jedoch exhumieren, verbrennen und ihre Asche über die Rieselfelder der Berliner Kläranlage verteilten.

Hitlers Reaktion auf den Anschlag

Erst gegen ein Uhr nachts trifft der aus dem 90 km entfernten Königsberg angeforderte Übertragungswagen der Reichs-Rundfunk-Gesellschaft an der Wolfsschanze ein und wird betriebsbereit gemacht. Über den Rundfunk wendete sich Hitler an die Öffentlichkeit: "Eine ganz kleine Clique ehrgeiziger, gewissenloser und zugleich verbrecherischer, dummer Offiziere hat ein Komplott geschmiedet, um mich zu beseitigen und mit mir den Stab praktisch der deutschen Wehrmachtsführung auszurotten." Der Diktator kündigte unmissverständlich an: "Diesmal wird so abgerechnet, wie wir das als Nationalsozialisten gewohnt sind."

Die Ermittlungen der Gestapo zogen sich bis zum Mai 1945 hin. Neben den Verschwörern fielen auch zahlreiche andere Oppositionelle der NS-Justiz zum Opfer, die schon länger das Missfallen des nationalsozialistischen Regimes erregt hatten, aber nicht in das Attentat verwickelt waren. Man geht insgesamt von rund 1.500 Inhaftierungen und 200 Exekutionen aus.

Demütigende Schauprozesse für die angeklagten Verschwörer

Erwin v. Witzleben vor dem Volksgerichtshof (Bild: Deutsches Bundesarchiv, Bild 151-12-16)Im Gefolge des Attentats wurde am 2. August 1944 der sogenannte Ehrenhof der Wehrmacht errichtet, dessen Aufgabe darin bestand, die möglicherweise am Attentat beteiligten Offiziere aus der Armee auszuschließen. Für diejenigen Offiziere, die vom Ehrenhof aus der Wehrmacht als "unehrenhaft" entlassen wurden, war das Militärstrafrecht nicht anwendbar und deshalb das Reichskriegsgericht nicht zuständig. Sie konnten aufgrund dieser Formalie vom Volksgerichtshof in Schauprozessen unter dem Vorsitz von Roland Freisler abgeurteilt werden. Im Gerichtssaal waren die Angeklagten massiven Demütigungen ausgesetzt – so musste sich beispielsweise Erwin von Witzleben während der Verhandlung die Hose festhalten, da ihm die Gestapo den Gürtel abgenommen hatte. Gleichzeitig wurde er durch Roland Freisler als "dreckiger alter Mann" beschimpft, der an seiner Hose herumnestele.

Die Vollstreckung der Todesurteile erfolgte meist nur wenige Stunden nach ihrer Verkündung. Die Opfer wurden in Berlin-Plötzensee an Fleischerhaken an Stahlkabeln aufgehängt. Eine Kamera filmte den Todeskampf der Verurteilten, die Aufnahmen wurden direkt an das Führerhauptquartier weitergeleitet. Alle Filme sind heute jedoch verschollen.

Quelle: Der hier veröffentlichte Text stammt vornehmlich von Wikipedia.org (Artikel: Attentat vom 20. Juli 1944, siehe dort für weitere Informationen).
Bilder: Deutsches Bundesarchiv (German Federal Archive)
Zuletzt aktualisiert am Montag, 20. Juli 2009 um 23:20 Uhr
 

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