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Happy Birthday, Traut the Kraut! PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Ben Fischer   
Mittwoch, 22. Oktober 2008 um 08:42 Uhr
Heute vor 85 Jahren erblickte Bernhard Carl, genannt „Bert“ Trautmann in Bremen das Licht der Welt. Höchste Zeit also, einem der besten Torhüter der Welt für seine Lebensleistung zu beglückwünschen. Nach über 500 Spielen im Dress von Manchester City ist Trautmann auch heute noch ein Idol für Generationen von City-Fans. Doch ist er nicht nur Fußballfans in Erinnerung geblieben, als der Mann, der mit gebrochenem Genick den FA-Cup gewann. Zugleich verkörpert Bert Trautmann als ehemaliger Fallschirmjäger der deutschen Wehrmacht und späteres ManCity-Idol aber auch das Überwinden der deutsch-britischen Gräben, sei es nun auf dem Schlachtfeld oder auf dem Fußballplatz.

Den Grundstein für seine überragende Torwartkarriere legte Bert Trautmann als britischer Kriegsgefangener im POW Camp 50 in Ashton-in-Makerfield, gelegen zwischen St Helens und Wigan. Als bei Fußballspielen zwischen den Lagern eines Tages ein Torhüter fehlte, nahm sich der rechte Mittelfeldspieler Trautmann dieser Aufgabe an - mit Erfolg wie man heute weiß. Aus dieser Zeit rührt jedoch nicht nur Trautmanns Positions-, sondern auch seine Namensänderung. Die Engländer konnten seinen richtigen Namen Bernhard, kurz Bernd, einfach nicht aussprechen und nannten ihn fortan Bert.

Nach Kriegsende blieb Trautmann in England und spielte als Torwart für den Provinzklub St Helens Town aus der Nähe von Liverpool. Bei einem Freundschaftsspiel gegen Manchester City zog er die Aufmerksamkeit des gegnerischen Vereinsvorstands auf sich. Im Oktober 1949 unterschrieb er bei City einen lukrativen Vertrag und ersetzte den äußerst beliebten englischen Nationaltorhüter Frank Swift. Das einstige Mitglied der Luftwaffe wurde in Manchester teilweise mit offener Feindseligkeit empfangen. Zwanzigtausend gingen aus Protest auf die Straße, um gegen den Transfer von „Traut the Kraut“ zu protestieren. Einige Fans von Manchester City gaben aus Protest sogar ihre Dauerkarten zurück. Doch ließen vor allem zwei Dinge die Proteste schnell verstummen: Zum einen schrieb der Rabbi von Manchester, Dr. Alexander Altmann, einen offenen Brief an die Bürger der Stadt und bat darum, unvoreingenommen mit Trautmann umzugehen. Zum anderen überzeugte Trautmann seine Kritiker mit Leistung. Innerhalb weniger Jahre wurde Trautmann zum besten Torhüter der englischen Liga.

Unvergessen bleibt aber vor allem das Finale des FA Cups 1956 in dem mit 100.000 Zuschauern gefüllten Londoner Wembley Stadium. Manchester City trat gegen Birmingham City und gewann 3:1. Die eigentliche Sensation begann jedoch in der 75. Spielminute. Trautmann wehrte eine herein geschlagene Flanke ab, wurde dabei aber von Birminghams Stürmer Peter Murphy im Nacken getroffen. Da zu dieser Zeit noch keine Auswechslungen erlaubt waren, spielte der verletzte Trautmann bis zum Ende weiter. Und das so gut, dass dem drückenden Birmingham kein Treffer mehr gelang. Trautmann wurde daraufhin zum Spieler des Tages gekürt. Das Ausmaß der Sensation offenbarte sich drei Tage später bei einer Röntgenuntersuchung. Sie ergab, dass sich Trautmann bei dem Zusammenprall mit Murphy einen Genickbruch zugezogen hatte und fünf weitere Halswirbel ausgerenkt waren. Dass er überlebte, gilt bis heute als medizinisches Wunder.

Insgesamt 545 Mal spielte Bert Trautmann zwischen 1949 und 1964 für Manchester City. Dass er, von vielen als bester Torwart der Welt angesehen, nie im Aufgebot der deutschen Nationalmannschaft stand, lag an Sepp Herbergers Prämisse keine Legionäre einzusetzen. In seiner Wahlheimat England wurden dem anfangs verpönten Trautmann dagegen große Ehren zuteil. 1956 wählte man ihn als ersten ausländischen Spieler zum Fußballer des Jahres. 2002 wurde er zur Football Legend of the Football League ernannt, 2005 in die Hall of Fame des englischen Fußball-Verbandes aufgenommen und 2007 gar zum besten Manchester-City-Spieler aller Zeiten gewählt. 2004 erhob Queen Elisabeth II. Trautmann in Anerkennung seiner Verdienste um die deutsch-britischen Beziehungen außerdem zum Honorary Officer of the Most Excellent Order of the British Empire (OBE).

1964 beendete Bert Trautmann seine aktive Karriere als Spieler. Über 60.000 Zuschauer wohnten seinem Abschiedsspiel im völlig überfüllten Stadion an der Maine Road bei. Eine bemerkenswerte Wandlung der Fans, die den Deutschen zuerst nicht in ihren Reihen haben wollten. Nach der Partie nannte ihn Bobby Charlton einen der größten Torhüter aller Zeiten. Der russische Torwart Lew Jaschin erklärte: „Es gab nur zwei Weltklasse-Torhüter. Einer war Lew Jaschin, der andere war der deutsche Junge, der in Manchester spielte – Trautmann.“ Auch Lew Jaschin wurde übrigens an einem 22. Oktober geboren (1929 - 1990). Würde er noch leben, wäre also eigentlich ein doppelter Glückwunsch fällig. So bleibt es bei einem zwinkernden „Happy Birthday, Traut the Kraut!“.

Quelle: Wikipedia
 
Kommentare (1)
Traut the Kraut
1 Samstag, 18. Juni 2011 um 14:09 Uhr
Heinz Dörfler
Ich habe das Buch von Caterine Clay
"Trautmann´s Journey" gelesen. Ich finde es ausgezeichnet, da es sehr gut aufzeigt wie aus Bernd, dem Hitler Youth, durch seine "englische" Erziehung ein weltoffener Mensch wurde.

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