Home Fußball Beim Finale auf der Fanmeile - Endstation Coca-Cola
Beim Finale auf der Fanmeile - Endstation Coca-Cola PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Rainald Benzler   
Donnerstag, 03. Juli 2008 um 20:43 Uhr
Berliner Fanmeile Euro 2008 (Bild: Joern79 / PIXELIO)Endspiel der Fußball-EM in Wien. Spanien trifft auf die Mannen von Jogi Löw. Wohin in Berlin? Während des gesamten Turniers habe ich die verschiedensten Lokalitäten der deutschen Hauptstadt absolviert: das 11 Freunde-Quartier in Treptow zum Auftakt gegen Polen, mit Arbeitskollegen im Maximilian´s in einer Seitenstraße der Friedrichstraße das Kroatien-Desaster, im Admiralspalast mit Radio eins Ballacks Freistoßhammer gegen Österreich bejubelt, das Topspiel gegen Portugal im Gaffel-Haus (wo sonst ?) bestaunt und schließlich in einer Bar auf der Kastanienallee den Finaleinzug erlebt. Überall prima Leute, gutes Fußballpublkum. Dennoch: Zum Endspiel musste es also das Herzstück des Sommermärchens 2006 sein, die Berliner Fanmeile.

Erwartungsfroh machte ich mich auf zur Straße des 17. Juni, um mich zwischen zahlreichen schwarz-rot-goldenen Landsleuten im Tiergarten einzustimmen. Bereits nachmittags wurde die Meile fleißig beschallt. Pocher und Co heizten aus der Konserve mächtig ein. Heerscharen von Eventhungrigen machten sich breit. Aber mit welchen Gestalten sollte ich da dem vierten Europatitel entgegenfiebern? Grausig tätowierte Knastbrüder, Halbstarke aus aller Herren Länder, bis zur Ohnmacht gepiercte Barbie-Verschnitte. Langsam aber sicher verstand ich die kernigen Sprüche des Berliner Finanzsenators Thilo Sarrazin („Ehe jetzt einer im 20. Stock sitzt und den ganzen Tag nur fernsieht, bin ich schon fast erleichtert, wenn er ein bisschen schwarz arbeitet.“) immer besser. Prekäre Schicht, wohin man blickte. RTL 2 hat Ausgang. Zwischendurch noch zahnbespangte Teenanger, die sich aus der BRAVO über den deutschen Fußball informieren.

Fanmeile Berlin Euro 2008 (Bild: Rainald Benzler) Gegen 18 Uhr nahm ich im dichten Gedrängel unweit des Riesenrads (!) am kleinen Stern einen Stehplatz ein. Schließlich wollte ich mich mit meinen Favoriten Delling und Netzer auf den Abend einstimmen. Doch weit gefehlt. Fleißig brummten in einer Endlosschleife immer wieder die selbe Werbung, die selben schlechten Spanierwitze (Animateur war ein RTL-Rundfunkmoderator, der die ihn nicht gesetzten Erwartungen noch gnadenlos unterbot) und die selben Möchtegern-EM-Songs über die Leinwände auf das gemeine Volk. Keine Ansage weit und breit, wie es mit der Aufstellung aussieht. Ballacks angebliche Wadenverletzung – mit keiner Silbe erwähnt. Würde ja nur beim Karnveal für Arme stören. In dem dichten Gedränge gab es kein Entkommen mehr, das Finale musste ich tatsächlich in dieser schaurigen Gemengelage über mich ergehen lassen. Zu allem Überfluss brach auch noch das Handynetz zusammen, so dass ich Kollegen, die nachkommen wollten, nicht mehr warnen konnte (und dementsprechend auch keine Verabredung auf der Meile des Grauens mehr möglich war).

Der Bogen wurde in dem Moment überspannt, als der DJ den Pöbel aufforderte, sich kräftig beim amerikanischen Brausehersteller für dieses einmalige Fanfest zu bedanken. Und tatsächlich: es wurde applaudiert. Aua.

Pünktlich zu den Nationalhymnen wurde dann doch nach Wien geschaltet. Egal, wie unbeholfen die DFB-Elf sich gegen die Iberer anstellte: es war alles besser als die zuvor schwer erlittene Volksverdummung. So war ich dankbar, dass ich mit dem Schlusspfiff schnell das Weite suchen konnte. Meine ursprüngliche Überlegung, am kommenden Montag die Mannschaft am Brandenburger Tor zu begrüßen, hatte ich schnell verworfen. Denn, um mit Andi Brehme zu sprechen,: „Das hat mit Fußball nichts zu tun.“

Bilder: © Joern79 / PIXELIO, Rainald Benzler
Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, 16. Juli 2008 um 00:13 Uhr
 

Kommentar hinzufügen

Dein Name:
Betreff:
Kommentar:
 

Anmeldung



Wer ist online

Wir haben 129 Gäste online

Meisterfrage

Wer wird Deutscher Meister 20011/2012?
 

Fußball-Ergebnisse

Übersetzung