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Ralf Husmann: Nicht mein Tag PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Rainald Benzler   
Sonntag, 22. Juni 2008 um 20:31 Uhr
Cover 'Nicht mein Tag' (Bild: Scherz)Ralf Husmann, Autor der ProSieben–Erfolgsserie „Stromberg“, ist unter die Buchautoren gegangen. Sein Debüt „Nicht mein Tag“ verkauft sich auch recht beachtlich, in der Spiegel-Bestsellerliste hat sich der Roman in den Top Ten festgesetzt. Das Buch mutet wie das Drehbuch zu Udo Jürgens´ Klassiker „Ich war noch niemals in New York“ an. Es geht um den Ausbruch aus dem grauen Alltag, dem Leben von Träumen jenseits aller Zwänge. 

Hauptprotagonist ist Till Reiners, der in Osthofen am Rande des Ruhrgebietes sein unspektakuläres Leben führt: verheiratet mit Miriam, ein Kind, Seitenscheitel, bei der Dresdner Bank tätig.Solideste Mittelschicht. So durchschnittlich sein Leben ist, so unzufriedenen ist Till. Er lebt frei nach dem Motto: “Das Leben ist wie Lotto, man verliert fast immer.“

Eines Tages eröffnet ihm ein Banküberfall in seiner Filiale deus ex machina die Gelegenheit, sein Leben neu zu leben. Er wird von Nappo, einem gescheiterten Kleinkriminellen, als Geisel genommen. Nach und nach macht sich das Stockholm-Syndom bei Till breit und er beginnt, Sympathie für seinen Geiselnehmer zu empfinden. Fluchtgelegenheiten nimmt das Entführungopfer nicht entschlossen wahr. Vielmehr genießt er mehr und mehr die Welt des Abenteuers. Die Grenzen zwischen Opfer- und Täterrolle werden im Laufe der Geschichte immer undeutlicher. Diverse mehr oder weniger spektakuläre Fahrzeugwechsel auf dem Weg durch die Niederlande nach Frankreich bilden das äußere Gerüst dieses Roadmovies. An der Osthofener Heimatfront sind der desillusionierte Kommissar Bergmeister, die verwirrte Ehefrau Miriam und die ebenso mediengeile wie dumme Bankkollegin Jessica die prägenden Figuren. Zu Kidnapper Nappo und Till gesellt sich noch die attraktive Nadine, die Freundin des Bankräubers. Dessen Plan, mit den erbeuteteten 30.000 € der Beziehung zu Nadine neuen Schwung zu verleihen, geht in die falsche Richtung, so dass sich die Geschichte irgendwo zwischen Bonny & Clyde und Theo gegen den Rest der Welt zu einer ménage à trois entwickelt.

Der Roman zeichnet sich durch eine gut zu lesenden Stil aus, der häufig politisch unkorrekt rüber kommt. Formulierungen wie „Holzschuhmongos“ für unsere niederländische Nachbarn lassen aufhorchen. Auch überrascht der Text immer wieder mit gelungenen und vor allem unverbrauchten Sprüchen, die die latent depressive Grundstimmung aller Figuren gut erträglich machen. Kostprobe: “Das Internet ist nur eine Möglichkeit mehr, nicht an Frauen ranzukommen.“

Fazit: Das Versprechen des Klappentextes „Hoffnungslos lustig“ wird nicht durchgehend eingehalten. Dennoch ist das Erstlingswerk Husmanns ein gutes Stück Popliteratur, das sich locker an einem Wochenende runter lesen lässt und mangels Tiefgang auch nicht zu schwer im Magen liegt.

Ralf Husmann
Nicht mein Tag, 333 Seiten
Scherz, 13,90 €
Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, 16. Juli 2008 um 00:11 Uhr
 
Kommentare (1)
Till Reiners kennt das wahre Leben
1 Samstag, 12. Juli 2008 um 23:39 Uhr
Ben Fischer
Ich habe "Nicht mein Tag" von mehreren Seiten empfohlen bekommen und mich damit köstlich amüsiert. Ich würde Rainald allerdings etwas wiedersprechen, wenn er sagt, das Buch habe keinen Tiefgang. Neben der lockeren Schreibe besticht es meines Erachtens vor allem durch die oftmals zutreffenden Beschreibungen des Alltagslebens. Insofern hat mich das Buch nicht nur lachen sondern auch schmunzeln, ja sogar grübeln lassen.

Natürlich ist "Nicht mein Tag" kein Buch, dass einen auch nach dem Auslesen wochenlang im Kopf herum spukt. Aber während des Lesens versprüht es so viel Charme, dass man es gern wieder in die Hand nimmt um weiterzulesen. Ich bin gespannt, ob Ralf Husmann seinem Till Reiners eine Fortsetzung gönnt. Dazu passt vielleicht noch die Nachricht, dass im Herbst der dritte Teil von Sven Regeners "Lehmann"-Reihe erscheinen soll. Darauf freue ich mich ganz besonders.

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