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Geschrieben von: Sven Gebauer   
Dienstag, 17. Juni 2008 um 16:16 Uhr
Deutschland-Flaggen (Bild: Benanza Pix)Deutschland hat einen zweifelhaften Ruf im Ausland. Das gilt nicht nur wegen der alljährlichen „Handtuch-Schlachten“ auf Mallorca. Mit dem 1-0 gegen Österreich hat Deutschland seine Stellung als der Gastgeber-Killer-Nr. 1 bei Europa- und Weltmeisterschaften eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Allein bei Europameisterschaften schmiss Deutschland den Gastgeber nunmehr fünfmal aus dem Turnier, ein einsamer Rekord!

Müller und Müller bei EMs eiskalt

Bereits 1972 mussten die Erfinder der Pommes Frites dran glauben: Belgien unterlag im EM-Halbfinale in Antwerpen durch einen Doppelpack vom „Bomber der Nation“ Gerd Müller mit 1-2. Dem Sieg ließ die Deutsche Nationalelf den ersten EM-Titel mit einem 3-0 gegen die UdSSR folgen. Als Titelverteidiger musste Deutschland dann in der Endrunde 1976 im Halbfinale gegen Gastgeber Jugoslawien in Belgrad ran. Einen 0-2 Rückstand egalisierte der eingewechselte Dieter Müller mit seinem Treffer zum 2-2, ehe der Kölner in der Verlängerung mit zwei weiteren Treffern dem Gastgeber den K.O. versetzte. Im anschließenden Finale gegen die Tschechoslowakei jagte Uli Hoeneß im Elfmeterschießen den Ball in die Erdumlaufbahn und sorgte so für eine misslungene Premiere im neu eingeführten Elfmeterschießen.

Traum in Wembley

1992 mussten dann die Schweden die EM-Koffer packen: Thomas Häßler mit einem tollen Freistoß aus 25 Metern und zweimal Riedle erzielten die Treffer beim 3-2 Halbfinal-Erfolg in Stockholm. Vier Jahre später der schönste denkbare Erfolg: Bertis Buben behielten im Elfmeterschießen gegen Gastgeber England die Nerven und siegten 6-5 (1-1 n.V.). Zuvor hatte Stefan Kuntz die englische Führung von Shearer ausgeglichen (16.). Nachdem Köpke gegen Southgate den sechsten englischen Strafstoß parierte, traf Möller mit dem entscheidenden Elfer zum 6-5 mitten ins englische Herz. Im Finale sollte es Michael Ballack (Bild: Benanza Pix)dann Oliver Bierhoff vorbehalten sein, mit einem Golden-Goal gegen die Tschechische Republik den bislang dritten EM-Titel für den DFB einzufahren.

Durch den gestrigen 1-0 Sieg in Wien setzte sich Deutschland bei Europameisterschaften weiter von Italien ab, die im Jahr 2000 mit Siegen gegen Belgien (2-0) und die Niederlande (3-1 n.E.) gleich zwei Gastgeber in einem Turnier schlugen.

Auch bei Weltmeisterschaften undankbar

Bei Weltmeisterschaften übernahm die Deutsche Elf erst spät die Rolle des undankbaren Gastes: 1982 erzielten Littbarski und Fischer die Tore beim 2-1 Erfolg in Madrid gegen die favorisierten Spanier und besiegelten so das Aus der Gastgeber in der zweiten Finalrunde. 1986 dann die Spezialität deutscher Nationalmannschaften: Im Elfmeterschießen gegen Gastgeber Mexiko trafen Allofs, Brehme, Mathäus und Littbarski, während „Toni-halt den Ball-Schumacher“ gleich zwei Elfmeter gegen Quirarte und Servin parierte. Der bislang letzte Streich dann bei der WM 2002: Die Dauerrenner von Südkorea warteten im Halbfinale auf die Deutsche Elf. Trotz des ohrenbetäubenden Lärms Fähnchen schwenkender Südkoreaner zeigte die Elf von Rudi Völler eine nervenstarke Partie und siegte durch einen Treffer von Michael Ballack 1-0.

Brasilien und Italien ebenfalls unhöflich

Mit diesem Sieg zog die Deutsche Elf mit Rekord-Weltmeister Brasilien gleich, der seinerseits drei WM-Gastgeber aus dem Turnier kickte: Die Elf vom Zuckerhut holte 1958 mit einem 5-2 im Finale in Stockholm gegen Schweden den Titel, schmiss vier Jahre später durch ein 4-2 im Halbfinale Gastgeber Chile und zuletzt 1994 mit einem 1-0 im Achtelfinale die USA aus dem Turnier. Der vierfache Weltmeister Italien machte sich bereits 1938 durch ein 3-1 im Viertelfinale in Frankreich unbeliebt. Auch Gastgeber Mexiko wurde 1970 mit den Italienern nicht glücklich, als es im Viertelfinale mit 1-4 das Nachsehen hatte. Der letzte Clou schließlich gelang der Squadra Azzurra beim Gastgeber-Killer-Nr. 1: Ausgerechnet Deutschland musste  2006 seinen Traum vom vierten WM-Titel beim 0-2 nach Verlängerung in Dortmund begraben.
Zuletzt aktualisiert am Dienstag, 17. Juni 2008 um 22:44 Uhr
 

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